Bericht über die SMT, Saison 2001
(von Anke)
SMT !? - Was ist jetzt das schon wieder ?
Wörtlich übersetzt heißt das Serienmaschinen - Trophy , also ein Straßenrennen für Sportfahrer und Rennsporteinsteiger.
Die Serienmaschinen-Trophy ist eine eigenständige Serie von Langstreckenrennen für seriennahe Motorräder mit Klassen und Gesamtwertung.
Die Klassen werden folgendermaßen unterteilt :
Klasse 1 = 1oo PS
Klasse 2 = 78 PS
Klasse 3 = 5o PS
Klasse 4 = Zweitakter bis 125 ccm
Die Rennlänge beträgt 4 Stunden mit 7 Fahrerwechseln, was soviel heißt : "wer dia meischde Ronda en derra Zeit schafft, hot gwonna". Der Startplatz wird tags zuvor ausgefahren. Das Rennen selbst wird mit dem sogenannten "Le Mans-Start" begonnen. Des hoißt : "du derfsch ed von Ofang a auf deim Moped sitza, noi, du muasch do noschbrenga ond derfsch dann erschd losfahra". Und alle Klasse fahren zusammen, werden dann aber entsprechend ihrer Klasse getrennt gewertet. Logisch, daß bei solch einer Veranstaltung ein Ställe-Racing-Team nicht fehlen darf. Das Alter spielt da absolut keine Rolle, wie unser erfolgreiches "Altherren-Team" Hermann und Jogi Saison für Saison beweisen. Und das in der Klasse 1.Das erste von fünf Rennen fand an Ostern auf dem Lausitzring / Deutschland statt. Die Vorfreude auf das Rennen wurde durch das schlechte Wetter getrübt. Bei nur 0° - 4° C und leichtem Schneeschauer war der Lieblingsplatz aller Fahrer in der Box vor dem Heizkörper.
Doch wer ein echter Motorradfahrer sein will, läßt sich von solch widrigen Bedingungen doch nicht abhalten, sein Motorrad durch die Kurven zu bewegen. Und Jogi mit seiner neuen Hüfte fährt besser als er läuft. Beim Start noch an fünfter Stelle, fuhr man schon nach der ersten Runde auf den ersten Platz. Trotz der schlechten Witterungsverhältnisse war man während des gesamten Rennens immer vorne mit dabei und kam schließlich als dritter ins Ziel. Nachdem das Team, das auf Platz 1 landetet disqualifiziert wurde, hatte man das erste Renen mit dem 2. Platz erfolgreich beendet. Als Belohnung gab es reichlich Gutes aus der Ställe-Küche.
Zum zweiten Rennen am 1. - 3. Mai ging es zum Hockenheimring / Deutschland.
Die richtige Motivation holte man sich tags zuvor noch vom Renntraining am Rheinring in Frankreich. Doch schon nach dem ersten Training bekam die Motivation einen Dämpfer : das Motorrad war zu laut, was eine Disqualifikation nach sich ziehen kann. Also Hammer und große Zange ausgepackt und weg mit dem Auspuff. Gut ausgerüstet hat man schließlich ein Ersatzmotorrad dabei, dessen Auspuff jetzt ans Rennmotorrad angepasst wurde.
Mit dieser technischen und mechanischen Meisterleistung war man mit 97,5 dB innerhalb der Lautstärkegrenze und das Rennen konnte nun auch für unser Team beginnen. Das Rennen selbst verlief für unsere zwei Helden ganz gut, doch bei Vollgas in der langen Waldgeraden blieben sie fast stehen und die anderen Teams flogen förmlich vorbei.
Da hatten wohl einige, die nicht auf dem Prüfstand waren, ein paar PS zu viel. Trotzdem belegte man den sechsten Platz und war nun in der Gesamtwertung auf Platz 3.
Zum dritten Rennen nach Brünn / Tschechien am 8. - 1o. Juni war die Anfahrt schon etwas weiter.
Bei schönem Wetter verlief das Training für unser Team noch problemlos.
Im Rennen selbst gab es dann doch einige unerklärliche Schwierigkeiten. Der Start war noch im Trockenen, doch nach 2 Stunden begann ein leiser Nieselregen, der in einen fürchterlichen Regenschauer überging. Sowohl Hermann als auch Jogi, als Regenspezialisten bekannt, hatten nun so ihre Probleme mit ihrem Hinterrad, das ständig wegrutschte. Und so ohne Gripp mußte man sich von den vermeintlich schwächeren Teams überholen lassen und sich mit dem 1o. Platz zufrieden geben. Anfang Juli fand das nächste Rennen in Magny Cours / Frankreich statt. Zuhause das schönste Wetter, mußten sich unsere Cracks mit Gewitter und nasser Rennstrecke im Training auseinandersetzen.
Im Rennen selbst war es dann trocken, doch das nutzte Jogi auch nichts. Er hatte mit den teilweise sehr engen Schikanen der Rennstrecke doch einige Probleme. Trotzdem lief es ganz gut bis zur ersten Pace-Car-Phase. Da hing unser Team mit vielen anderen schnellen Teams hinter einem Klasse 4-Fahrer fest. Mit nur 1oo km / h mußte man jetzt einige Geduld aufbringen, zumal man in dieser Zeit nicht überholen darf.
Danach konnte man sich dennoch wieder an die vorderen Plazierungen herankämpfen, bis man 2o Minuten vor Schluß erneut in einer Pace-Car-Phase Pech hatte. Diesmal mußte man sich mit einem mit nur 3o Km / h -fahrenden Mitstreiter herumärgern, der aus unerklärlichen Gründen schon Kilometer vor der Boxeneinfahrt seine Geschwindigkeit so weit herunterdrosselte. Natürlich war dann das Rennen für unsere Zwei gelaufen und sie mußten sich zähneknirschend mit dem 8.Platz zufrieden geben.
Zu den letzten beiden Rennen dieser Saison ging es im August nach Ungarn auf den Pannonia-Ring.
Bei der Einreise hatte Hermann einige Probleme mit den Rennmotorrädern. Die Posten an der Grenze wollten ein gültiges Ticket sehen, was man nicht hatte. So wurde aus der Not eine Tugend gemacht und Hermann nahm einfach einen anderen Grenzübergang, bei dem dann alles problemlos verlief. Bei hohen Temperaturen von bis zu 35° C im Schatten ging man daran, den schwierigen Kurs zu meistern. Schwierig deshalb, weil es kaum Anhaltspunkte gab, an denen man erkennen konnte, wo und wann man bremsen mußte. Diese hohe Anforderungen konnten unsere zwei Helden mit einem ordentlichen 5. Platz bestätigen. Die Hitze machte den Rennanzug zu einem Schwitzkasten und man stieß doch recht schnell an seine konditionellen Grenzen. Der Feuchtigkeitshaushalt mußte unbedingt reguliert werden., denn so schnell konnte man gar nicht Wasser nachleeren, wie es wieder rausgeschwitzt wurde.
Allen Widrigkeiten zum Trotz, ging man in das zweite Rennen, das zwar auf dem gleichen Kurs stattfand, aber bei dem jetzt die Richtung gewechselt wurde. Da waren unsere Cracks erst recht gefordert. Sie mußte sich nun mit einige blinde Kurven hinter Kuppen auseinandersetzen und die Brems-Anhaltspunkte waren noch weniger vorhanden. Aber beide beherrschen schließlich das Motorradfahren und so konnten sie den 5. Platz aus dem ersten Rennen bestätigen.
Mit dem Saisonverlauf sind Jogi und Hermann sehr zufrieden. Kein Wunder. Schließlich haben sie in der Gesamtwertung den 3. Platz von 25 Teams belegt. Für die nächste Saison wird schon geplant und das Ziel ist klar : erneut einen Platz unter den ersten drei belegen !!! Dazu laden sie alle Interessenten, die als Boxencrew, als Boxenluder oder im Catering-Service mithelfen wollen, recht herzlich ein. Laßt Euch von der Professionalität, die auch Hermanns Vater bestätigen wird, vor Ort überzeugen !!!
100 Pässe Tour 18. - 25.08.2001
(von Andreas Traub)
Es ist Samstag morgen und wir (Peter, Martin, Joe und ich) treffen uns um 7.30 Uhr an der A81 Anschlußstelle Rottenburg. Auf der Autobahn Richtung Singen fahren wir unsere Boxer (2 x R1100GS, R1100R und R1150R) ordentlich warm. Ab Donaueschingen fahren wir auf der Landstraße durch den Schwarzwald Richtung Schweiz. Joe, der die 100 Pässe-Tour letztes Jahr schon mitgefahren ist, fragt an einer Kreuzung: "Warum kurven wir so durch den Schwarzwald, glaubt ihr denn in Frankreich gibt es keine Kurven?" Wir wissen noch nicht, was auf uns zukommt und können ihn deshalb nicht verstehen. In Olten trennen wir uns dann. Ich fahre weiter auf der Landstraße, Joe, Peter und Martin ziehen die Autobahn vor. Nach ca. 2 Stunden sehe ich im Niedersimmertal 3 BMW´s mit Göppinger Kennzeichen an einem Café stehen. Ich halte an und komme gerade dazu, wie die drei mit dem Ober über die
Bezahlung verhandeln. Sie haben keine Schweizer Franken und der Ober will keine DM oder Kreditkarten akzeptieren. Lässig zücke ich mein Portmonee und bezahle die Zeche mit Schweizer Franken. Wir setzen die Fahrt gemeinsam fort und kommen gegen 16.00 Uhr in Lets Gets an. Die restlichen Teilnehmer (Micha und Franz) kommen kurz nach uns an und Jogy (der Guide) kommt gegen 18.00 Uhr. Nach ein paar Stunden Erholung (die letzten für die nächste Woche) essen wir in dem sehr
schönen Hotel zu Abend. Jeder stellt sich kurz vor und Jogy gibt ein paar Grundregeln für die nächsten Tage bekannt. Der erste Tag: In der Nacht hat es geregnet und die Straßen sind am Morgen noch etwas nass. Wir starten pünktlich um 9.00 Uhr und jeder ist gespannt, wie es laufen wird. Jogy lässt es sehr ruhig angehen und wir fahren auf den kleinen verkehrsarmen Nebenstrecken südlich vom Genfer See erst mal ziemlich langsam. Nach den ersten Stops und Bemerkungen wie "Reserven sind noch vorhanden, wir kommen gut mit, ein bisschen schneller könnten wir schon" steigert sich das Tempo langsam auf ein Niveau, bei dem jeder Spaß hat und noch genug Reserven für Unvorhergesehenes (Rollsplitt, usw.) vorhanden sind. Wir fahren den ganzen Tag, wie von Jogy angekündigt, ohne Mittagspause und machen nur Halt zum Tanken, ab und zu für eine Zigarette. Franz fährt bei einer Kehre, die er zu engagiert angegangen ist, geradeaus auf die Wiese, dreht aber locker um und fährt weiter, wie wenn nichts gewesen wäre. Abends, in dem nicht mehr ganz so komfortablen Hotel, gibt es beim Abendessen viel
zu erzählen. Franz behauptet, er wollte nur sehen, ob wir hinterher fahren und Jogy meint, nur Motorradfahrer sind schlimmer als Jäger. Nach dem Essen und ein paar Flaschen Rotwein fallen wir ins Bett. Am nächsten morgen sieht das Wetter nicht mehr so toll aus. Dicke Wolken hängen über den Bergen, es regnet jedoch nicht. Wir starten pünktlich um 9.00 Uhr und auf dem ersten Pass fängt es an zu tröpfeln. Wir entscheiden uns jedoch, ohne Regenkombi weiterzufahren und es hört auch kurze Zeit
später wieder auf. Am Mittag trocknen die Straßen ab und wir können das Tempo etwas versieren. Gegen 18.00 Uhr kommen wir am nächsten Hotel an, trinken das obligatorische Bierchen oder zwei oder drei, duschen, essen und fallen ins Bett. Am dritten Tag kommen wir langsam Richtung Süden und es wird wärmer. Die Straßen werden immer atemberaubender und wir fahren den ersten Pass über 2000 m,
den Col d`Allos .In Allos übernachten wir in einem kleinen Hotel. Es gibt viel zu erzählen und wir schwanken noch von dem Kurvenritt auf den traumhaften Sträßchen mit Kurven wie mit dem Zirkel gezogen. Man könnte meinen, die Zimmer werden immer - 2 -kleiner (3- und 4-Bett-Zimmer), aber durch das viele Fahren und den Rotwein haben wir genügend Bettschwere für den erholsamen Schlaf. Vierter Tag: Heute haben wir die Wahl, ob wir den Grand Canyon du Verdon fahren oder eine längere Pause mit evtl. sogar Bademöglichkeit machen. Jogy geht davon aus, dass wir uns fürs Baden entscheiden und fährt noch einen zusätzlichen Pass den Col de la Colle St. Michelle. In Castellane kommt die eigentlich retorische Frage: Sollen wir den Grand Canyon fahren? Nachdem Franz dreimal sagt: "Mir ist es egal,
aber mich würde es schon interessieren", fahren wir ihn ab. Nachdem es schon ein bisschen spät ist, gibt uns Jogy noch die Möglichkeit, den Col de la Bonette wegzulassen. Dies ist jedoch der mit 2802 m höchste Pass der Alpen und Martin meint: "Wegen dem sind wir ja hergekommen". Um 19.30 Uhr stehen wir auf der Passhöhe, Gruppenfoto und dann rollen wir ins Tal. Zum Glück übernachten wir gleich im ersten Ort. Es gibt Erdinger und wir greifen natürlich ordentlich zu. Zum Duschen kommen wir
dann vor dem Essen natürlich nicht mehr. Nachdem das Erdinger alle war, trinken wir nach dem Duschen noch eine gemütliche Flasche Wein und fallen wie tot in die Koje. Am fünften Tag fahren wir nach Italien. Auf der zweiten Passhöhe warteten wir auf Micha. Nach ca. 10 Min. kommt er mit einem Plattfuss an seinem Quad an. Was tun? Beim Serienwerkzeug einer BMW ist zum Glück ein Pannenset dabei. Da es noch keiner benutzt hat, lesen wir zuerst die Bedienungsanleitung und bekommen beim
zweiten Versuch den Reifen tatsächlich dicht. Da es in Frankreich keine Straßenzulassung für Quads gibt, haben wir auch schlechte Karten für einen Ersatzreifen. Micha meint aber, der Flicken müsste halten und somit fährt er weiter. Da wir in Italien sind, lassen wir es uns natürlich nicht nehmen, einen Capuccino zu trinken. Zurück in Frankreich stehen noch einige der bekanntesten Pässe auf dem
Programm: Col d`Izoard (2361 m), Col du Lautaret (2058 m), Col du Galibier (2645 m), Col du Telegraphe (1570 m), Col du Glandon (1924 m). Wir kommen wieder erst um 19.30 Uhr am Hotel an, aber wenigstens können wir noch vor dem Essen duschen. Langsam wird die Tour anstrengend. Die Euphorie der ersten Tage ist ein wenig gedämpfter und die Knochen schmerzen. In unserem Vierbettzimmer mit Etagendusche können wir trotzdem prima schlafen. Am letzten Tag führt uns die Tour nochmal in die Schweiz. Nach dem Col de la Madeleine stehen Kleiner und Großer St. Bernhart auf dem Programm. Jogys Reifen sieht schon ziemlich mitgenommen aus. Das Profil kann man nur noch erahnen. Wir
starten trotzdem und versuchen, ihn beim Grenzübergang so gut wie möglich abzuschirmen. Es gelingt recht gut und wir kommen gegen 18.00 Uhr wieder in Lets Gets am Startpunkt der Tour an. Statt Profil kann man an Jogys Reifen jetzt die Windungen des Monospiralgürtels zählen. Beim letzten gemeinsamen Essen lassen wir unsere Eindrücke der Tour nochmal revue passieren. Wir haben jetzt 2500 km (ohne Anfahrt), 112 Pässe und unzählig viele Kurven hinter uns. Das Fazit fällt eindeutig aus. Jeder ist k.o., aber es hat super viel Spaß gemacht und wir werden so eine Mega-Ausfahrt irgendwann wiederholen.
|